Reiß dich zusammen!
Leseprobe aus meinem Buch »Reiß dich zusammen Mein Leben mit Depressionen«:
Ein böser Traum oder Schreiben befreit die Seele
Wenn ich heute so zurückdenke, kommt mir alles wie ein böser Traum vor. Doch es ist vorbei. Es ist nur noch eingebettet in meine Erinnerungen, die mich einmal sehr stark belastet haben. Aber als die Gedanken in meinem Kopf, die Unruhe, die Angst eigentlich alles um mich herum mich vollends zu überwältigen schien, als der Kloß im Hals mich zu ersticken drohte, fing ich an zu schreiben. Ich nahm Papier und einen Bleistift oder Kugelschreiber was ich gerade fand und schrieb alles auf, was mir so in den Sinn kam. Ich hatte keine Ordnung, kein System, keine Absicht, was einmal damit geschehen sollte es war einfach nur für mich für mich persönlich!
Wenn ich heute diese vielen losen Blätter, die sich da so angesammelt haben, in die Hand nehme, kann ich sofort erkennen, wie es gerade um mich stand. Schon die Handschrift verrät mich auf schamlose Weise. Mal ist sie klar und deutlich ich schreibe gerne mit kunstvoller Schrift und schwungvollen Buchstaben doch häufig ist sie fahrig und fast unleserlich. Dann ging es mir nicht so gut. Dann sind die Sätze abgehackt und unvollständig, die Worte fließen genauso fahrig und unkonzentriert aus der Feder wie die Handschrift. Ja, das alles kann ich an den Aufzeichnungen erkennen. Aber sie haben mich frei gemacht! Jede weitere Seite, die ich schrieb, haben meine Gedanken geöffnet für eine unbeschwertere Sicht.
Die schweren Erinnerungen gehören zu meinem Leben, doch sie belasten mich nicht mehr. Das Schreiben hat meine Seele befreit. Wenn ich das alles hier in Maschinenschrift abschreibe, geht der ursprüngliche Eindruck der Handschrift natürlich verloren. Doch die Sätze, die meine Gedanken und Stimmungen wiedergeben, sind unverändert geblieben. Vielleicht können sie ja auch für andere ein kleiner Trost sein. Für mich sind sie es allemal!
Ilse Bartels
Föhrste, 2008
Hottenstein Verlag, 72 Seiten
ISBN 978-3-935928-28-1
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